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„Mein romantisches Kinodate mit René Descartes, welches durch die Philosophie und „Fight Club“ nur mehr eine sehr spezielle Art von Romantik aufweist.“
06.11.2006 18:38
CLAUDIA SCHMIED
Claudia Schmied

„Mein romantisches Kinodate mit René Descartes, welches durch die Philosophie und „Fight Club“ nur mehr eine sehr spezielle Art von Romantik aufweist.“

"I´m the warm, calm little center that the life crowds around.." "Long Live Subtitles! OmU forever..."

Ich stehe, sitze, liege, gehe hier und schaue doch nur zu.

Nur zu! Kino der Gefühle, Kino meines Lebens.

Ein toller Film, spannend, zu Herzen gehend, traurig, wie das Leben selbst. Doch,… hab ich auch ein anderes? Nein. Das hier ist mein Leben, und es kommt zu mir in 24, auf blütenweiße Leinwand projizierten Bildern pro Sekunde.

Dunkle Flecken an bestimmten Stellen verhindern das Erkennen ebenjener. Ein dreckiger, kaffeeähnlicher Fleck zerstört das blütenweiße Image des Kinos. Würde ich mich auf die Flecken konzentrieren, würde ich vielleicht auch die Brandflecken im rechten oberen Bildrand erkennen. Ein Rollenwechsel.

Es ist ein wunderbarer Film, man glaubt, man befindet sich mitten im Geschehen.

Rundherum bewegt sich das Leben, mein Leben, in dem ich agiere, jemand anders reagiert und etwas daraus resultiert.

Doch ich sitze nur da, kaue Kaugummi, esse Popcorn und schaue mir das alles an.

Die langweiligen Stellen des Films verschlafe ich, in den Aufregenden kann ich fast emotional werden.

Ich bin nur ich selbst auf der Leinwand, denn ich kann nicht mal mit Sicherheit sagen, ob ich überhaupt existiere. Ist das Denken, das, was meine Existenz ausmacht, nicht vielleicht auch an den Film gebunden? Und gibt es dann überhaupt Zuschauer, oder gar mich selbst?

Dagegen spricht die Tatsache, dass ich mich ja in eben dem Moment in meinem Denken von der Leinwand losgemacht habe, in der ich realisiert habe, dass ich mich in einem Kino befinde.

 

Möge Descartes sein gesamtes Leben lang an seiner berühmtesten Erkenntnis geforscht und sinniert haben, sodass ich ihn nun ohne schlechtes Gewissen als einen fixierten Lebensfremden betrachten kann, der absolut und endgültig Recht hatte.

 

Möge ich, die mit dieser Erkenntnis ganz glücklich ist, und sich eigentlich in seinem Lebensgefühl bestätigt fühlt, mich nicht vor dem Solipsismus fürchten, sodass ich mich ganz und gar auf die Leinwand vor mir konzentrieren kann.

 

Ob die Augen, durch die ich zu sehen glaube, oder ob das Gehirn mit dem ich zu Verarbeiten und letztendlich auch zu Denken glaube nun auch wirklich existieren ist ebenso unwichtig wie die nächste Frage entscheidend ist.

Denn ich will hier nicht wissen, ob ich existiere, wo ich existiere oder warum ich existiere.

Ich will wissen, wer wechselt die Filmrollen?

Wer besitzt das Kino, wer zahlt den Strom dafür?

 

Aber wie kann dieser fixierte Lebensfremde behaupten, dass wir nur denkend existieren und völlig allein sind, wo wir doch wissen, dass das Gehirn nur erleben kann, was es nicht schon mal irgendwann erfahren hat?

Jaja,..der Descartes hat vor langen Jahren existiert, in ungebildeten Zeiten und, selbst wenn, er hätte sowieso nicht ernst genommen, was ein Mensch, den er sich nur einbildet, ihm sagt.

Meines Wissens nach, hat er diese Frage entweder ohne geistreichen Ausspruch, für die Überlieferer unbefriedigend folglich nicht erwähnenswert oder möglicherweise sogar gar nicht geklärt.

Vielleicht hat er sich nicht für diese, für mich die einzig klärenswerte Frage interessiert.

Und deswegen sitz ich nun hier, widme mich nicht meinem Leben, dort auf der Leinwand, wo sich gerade die Biologiestunde dem Ende zuquält, sondern reflektiere fieberhaft über meine eigene Erklärung dafür.

Zutiefst atheistisch veranlagt, trotze ich den psychologischen Erkenntnissen in meinem Ausspruch, dass da im Unterbewusstsein doch etwas ist, dass kreativ, intelligent und völlig unabhängig von verdammten äußeren Erfahrungen ist und Geld hat, das Kino gebaut zu haben und den Besitzer, sowie Filmvorführer einzustellen.

Und selbst früher, als platonscher Höhlenmensch ohne den Drang dies alles zu erkennen, hätte ich den Film wie auch jetzt verfolgen können, und sehen, dass ich „Fight Club“ sehe und drüber nachdenke.

Dass ich völlig begeistert vom Inhalt und der Umsetzung aber umso enttäuschter von der professionellen, aber an Emotion mangelnder deutschen Synchronisation bin.

 

Lieber hätte ich Edward Norton persönlich Deutsch sprechen hören, als diesen mittelklassigen und komplett ausdruckslosen Synchronisateur.

 

Eigentlich frag ich mich nur mehr, was die Pornobilder bewirkt haben, die Tyler Durden in meine Kindheit geschnitten hat.

Und wie viel Seife er wohl aus meinem Oberschenkeln machen könnte.

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