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Es steht schlimm um ...
10.12.2002 15:30
G. HUNRUS
G. Hunrus

Es steht schlimm um ...

Seltsam zwirbelte es meine Synapsen und die Wut über all das Schlechte in dieser Welt schlug zu. Schreckliche Abgründe taten sich auf und in ihnen verschwand meine Seele.
Das Schlimmste an einem euphorischen Anfall ist, wenn man dazu Kopfhörer benutzt. Ich möchte mich hüpfenderweis’ durch meine Kemenate begeben und sphärisch jodeln, doch ich habe nur einen Aktionsradius von maximal eineinhalb Metern. Entwürdigend nicht?!? Aber eine Partnerschaft bindet eben auch immer Einschränkungen mit ein! Juhu! Ich hüpfe auf dem Stuhl herum! HUHU! Kopfhörermusik ist wie mit gebrochenen Fingern onanieren. Es sollte nur gemacht werden, wenn` s nicht anders geht. Aber meine mich liebende Partnerin schläft gerade den Schlaf der Braven und Gerechten. Und da will ich nicht stören... Moment? Ein Grund weshalb ich noch nicht im Bett bin? Brav und Gerecht? Egal, denn dann schlafen die meisten Leistungsträger der westlichen Welt schlecht. Diese Welt sollte im allgemeinen nicht zu gut schlafen – aber was soll man sonst machen? Heutzutage wird man ja schon beim Theaterbesuch vergast! Auch eine Art der Vergangenheitsbewältigung. Oder gerade der Gegenwart? Eine andere Form der Aufarbeitung schlimmer Dinge neben Musik, schwarzem Humor und Zen Buddhismus ist ja auch der Villacher Fasching. „Jojo; Bombenstimmung auf Bali, da hot der arabische Animateur in der Disko eingeschlogn wia a Raketn! Dia hots vor Gaudi zarissn! LEILEI!“ Doch die Komik liegt im Auge des Betrachters. Was den Einen scherzt trifft den Anderen im Solar Plexus, wie ein Vorschlaghammer. Das ist natürlich bitter. Doch Hand auf’ s Herz – wer wäre nicht mal gerne bei einem `Sonderparteitag` der FPÖ anwesend? Beim harten Kern der überblieb? Im Rieder Sportpalast?. Ich schon - wenn ich den Mut hätte – am Besten als Festredner! Und dann ließe ich mich vom Einpeitscher gleich als größten Agitatoren seit Goebbels ankündigen, und die johlende Masse freut sich auf ein hohes Tier aus dem Verteidigungsministerium. Und in der gehaltenen Rede darf ich mich voll ausleben, und vom Schulterschluss mit schwarz und gegen die Sozis im Gemeindebau und die Grünen Haschischtrafiken krakeelen! Aber nein! Das waren ja die Wahlkampfthemen der ÖVP. Vor den rechten Kohorten in Wien habe ich eh weniger Angst. Erstens heißen sie meist selber Novak oder Cherny und wissen alle das die Pusta nicht nur ein Salat, sondern auch ein Stück Heimat ist. Und zweitens liegt die größere Bedrohung im sechzehnten Gemeindebezirk von Wien. Ottakring, der Treffpunkt der Kampfemanzen! Frauen die sich Slogans Wie „EIERSTÖCKE FOREVER!“ auf die Standarte heften und als brandschatzender Mob um die Häuser ziehen. Wehe einem, der seine Testikel in dieser finsteren Zeit stolz herumträgt, wehe dem, der sich nicht unterwürfig in den Straßengraben wirft, sich im Staube mit bloßen Fingernägeln entmannt und dem jolenden Mob die Trophäe überreicht. Die Weiber singen bzw. kreischen dann Lieder von Mick Jagger, der Oberemanze und Göttin der Bewegung, während sie sich schmücken mit dem erbeuteten Fleisch. Ich merke, ich schweife ab und die „Sechzehner Bewegung“ ist ein Thema für sich. Aber in der Größenordnung von der Baader Meinhof Gruppe, dem Münchner Putsch1923 oder der Volksabstimmung über den Nizza Vertrag in Irland! Was dachten sich die Iren eigentlich? „Nur“ weil die eigene Regierung Spenden im Wahlkampf annahm, was ja wirklich eine Bagatelle ist, seit Kohl in Germany und der Zeit, seit es in Italien eine Demokratie gibt, wer gab ihnen das Recht ganz Europa zu strafen? Wer außer den Portugiesen bekam denn so viel Kohle in den Rachen, oder die Griechen in den Arsch (das versteht sich ja von selbst) gestopft!? Ja, Spanien, das ist ein gültiges Argument. Aber die Iren! Rabää! Gesocks! Man sollte ihr Land den Palästinensern verkaufen! Die wären sicher dankbarer! Und den dort lebenden Schafen wäre es sicher egal, wer sie jetzt schert!

Nach so vielen Geschmacklosigkeiten ist mir die Euphorie vergangen und der Kopfhörer dudelt nur mehr Trauriges und die Welt ist furchtbar schlecht und es grämt mich das ich so bitterböse bin. Hendrix tröstet meine Wunden mit dem „Spanish castle magic“ Song. Ja es schmerzt. Doch was offenbart sich in all der Traurigkeit? Eigentlich ein Dreck, aber man kann ja so viel hineininterpretieren wie man will. Ein ordentlicher Therapeut macht heutzutage aus dem verrücktesten Traum einen ausgewachsenen Komplex, je nachdem was man bereit ist zu zahlen. Der Abend schließt untypisch mit Ambros, Wolfgang – „Es lebe der Zentralfriedhof“ Es ist aber auch zu gut.
Grüßt mir die Familie, euer Agitator
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malandro | 10.12.2002 16:03Antworten
like a fist in a republican face... very nice. oqm.
rosa schröckenfuchs | 10.12.2002 16:11Antworten
das angebundensein an seine stereoanlage beflügelte ihn ungemein, möge er noch öfters solch freudige stunden erleben. wie wärs wenn du deiner partnerin die ohren zustoppeln würdest? darfst es halt den 16ern nicht sagen.
Marion | 11.12.2002 07:09Antworten
wenn ich deine Texte lese, kommt es mir vor als wuerdest du direkt vor mir sitzen, ich kann dich beinahe hoeren! Du redest und redest, wie dir der Schnabel gewachsen ist und machst einen Gedankensrprung nach dem anderen! Ich finds spitze!
Marion | 11.12.2002 07:10Antworten
i bins nomol, han no was vergeassa.. mir gefaellt das Bild besonders gut! ist echt schoen!


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