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Durch die Nacht und zurück.
03.01.2003 20:00
OLAF ZU STEG-FLAGGENHALT
Olaf zu Steg-Flaggenhalt

Durch die Nacht und zurück.

Eine romaneske Kurzgeschichte.
Martina lächelte. Düsseldorf ist der denkbar amüsanteste Name, den eine Stadt tragen kann: Umlaute an sich fand sie schon seit jeher merkwürdig und als der Fremde mit dem zärtlichen Gesicht nun verriet, wo er denn studierte, musste Martina an Dübel, Dürre und Daniel Düsentrieb denken. Vermutlich war es aber lediglich letzterer, der sie lächeln machte.

Jens war zufrieden. Das Mädchen zum Lachen zu bringen war schon der erste Schritt zum Sieg. Nicht dass er das Erobern weiblicher Herzen und Hemden als Spiel gesehen hätte, in dem man quasi sportlich taktieren musste, nein, vielmehr wollte er sich sanft vorwagen, nicht überschnell vorlaut sein; er hatte mal gelesen, dass Frauen erobert statt aufgegabelt werden wollten.

Nächstes Thema: Religion.
In einem Schnippen der rechten Hand ruft er den Kellner, der bringt nach kurzer Zeit auch die bestellten Whiskey-Colas. Prost und Lecker, hier geizen sie wenigstens nicht mit dem Alkohol.

Martina fand es wichtig, an sich selbst zu glauben. Vielleicht lieber vorsichtig sein, ganz unsympathisch ist er ja nicht, und da wäre es schade, die neu gewonnenen Sympathien arglos aufs Spiel zu setzen. Und mit der dem Glauben an sich selbst ist es wie mit Horoskopen: Plattitüden.

Jens sprach zustimmend von Selbstfindung. Die Geschichte mit asketisch angehauchtem Leben im Kloster, am besten in einer anderen Welt; grad mal forsch Indien in den Raum stellen. Er wusste, dass es schon ein wenig merkwürdig war, von Visionen zu schwärmen, die er so noch nie hatte, aber irgendwann musste er ja anfangen, sich damit auseinander zu setzen. Und was sprach gegen jetzt. Vor allem aber klang das ausgesprochen alternativ und passte somit zu ihrem Musikgeschmack wie ihrer Frisur.

Genug geredet: Küssen.
Wenn schon mal Red Hot Chili Peppers liefen. Köpfe zusammen und die geschmacklich abgestimmten Zungen sich berühren lassen. She sees my good deeds and she kisses me winded.

Martina war sonst nicht der Typ für One Night Stands, bisher hatte sie nur längere Beziehungen gehabt. Heute wollte sie aber auch einmal alles geschehen lassen was denn noch geschehen sollte. Es war schließlich ihr erster Abend in der Stadt, es konnte sie also noch niemand kennen. Und man kann ja nichts schlecht finden, das man noch nie versucht hatte. Vielleicht könnte ja mehr draus werden, er küsst gut, ich habe nichts dagegen, dass er seine Hand auf mein Knie gelegt hat.

Jens mochte ihren Geruch. Sie trug einen Hauch von Sinnlichkeit. Er hätte mal auf Dior oder Chanel getippt: Blumig. Während die Hand vorsichtig auf ihrem Knie ruhte und seine ganze Konzentration auf sie gerichtet war, vergaß er den Lärm und die stickigen Rauchschwaden um sie, er fühlte die leicht nikotingesäuerte Zunge und atmete ihr süßes Parfum.

Langweilig hier: Gehen.
Diesmal das Schnippen und das Deuten auf die lederne Geldtasche als Zeichen der Zahlungswilligkeit. Machen wir zwanzig, heute wollen wir großzügig sein.
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fresh frozen plasma | 04.01.2003 12:12Antworten
dunkel, verliebt und schwere bässe die wabbernd auf den solarplexus knallen. es verlangt mir nach mehr.
brny | 04.01.2003 15:00Antworten
*seufz*
 olaf | 04.01.2003 15:44Antworten
erschütterte einsamkeit vs verworrener abschaum?
  brny | 04.01.2003 18:31Antworten
sowas in der art....


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