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Die Geschichte von Lukas E. und Obergefreiter Fritz Reiser
19.02.2003 11:56
PAUL HALMENSCHLAG
Paul Halmenschlag

Die Geschichte von Lukas E. und Obergefreiter Fritz Reiser

True Lovestories Part Six
Winter 1942 an der Ostfront, etwa 600.000 Mann der 6. Armee sitzen eingekesselt im zerstörten Stalingrad fest. Es ist eiskalt, teilweise bis zu minus 50 Grad, einer nach dem anderen stirbt, Hitler Parolen sind inzwischen längst ohne Bedeutung, das Leben zerbricht vor ihren Augen und jeder möchte eigentlich nur noch sterben... (unbekannte Quelle)

„Pfui Spinne!“ Angewidert stocherte Obergefreiter Fritz Reiser in seiner Forelle Müllerin herum. „Einfach ungenießbar“ dachte Reiser bei sich und scheuerte sein vollgefülltes Feldgeschirr mit Schmackes in die nächstbeste Ecke. Dampfend ergoss sich die widerliche Speise über die kalten Mauern ihres schützenden Unterschlupfs. „Verfluchter Frontfraß!“ skandierte der Obergefreite lautstark und erhoffte sich mit dieser lärmstarken Aktion anerkennende Schulterklopfer und bewundernde Blicke. Beides blieb aus. Die meisten der wackeren Frontsolden sahen sich mit wahrlich ernsthafteren Problemen konfrontiert. Vielen von ihnen fehlte ein Arm oder ein Bein, abgerissen oder zerfetzt von feindlichen Ateleriegeschossen. Allgemein konnte die Stimmung unweit der Schützengräben eher als trist und verzweifelt bezeichnet werden. Erregt und aufgewühlt setzte sich der zutiefst gekränkte Soldat auf eine militärgrüne Feldkiste und beobachtete seine Mitstreiter. Ein eingeschüchterter, blutjunger Soldat stach ihm sofort ins Auge und seine forschenden Blicke blieben an ihm haften. Der junge Soldat mochte kaum mehr als zweiundzwanzig Lenze zählen und vergoss angesichts seiner trostlosen Lage bitterste Tränen, wahr er doch in seinen jungen Jahren dem Tod näher als dem Leben. Der Anblick dieses jungen, verloren wirkenden Kameraden wärmte das Herz des knallharten Obergefreiten. Reiser, von seinen Freunden oft liebevoll „Fritzi“ genannt, rutschte langsam und zögerlich neben den jungen Soldaten und sah ihm dabei stets freundschaftlich-väterlich in die feuchtgeweinten Augen. „Wie heißt du mein Sohn?“ fragte der erfahrene Kämpfer den verschüchterten Grünschnabel. „Lukas“ antwortete dieser knapp und mit tränenerstickter Stimme. „Das klingt nicht gut“ meinte Fritz „ich gebe dir einen besseren Namen. Einer der nach einem ganzen Mann klingt. Von jetzt an bist du der gemeingefährliche Lukas. Kurz: GGL. Na, alles in Ordnung GGL?“ „Ja, alles in allerbester Ordnung“ antwortete der gemeingefährliche Lukas schüchtern. „Zwei Daumen nach oben“, und ein trostlos-verschmitztes Lächeln huschte über sein angsterfülltes Gesicht. „Weißt du was?“ meinte GGL nach einer längeren Pause „Was denn?“ „Ich finde dich echt lässig“ „Danke, du gefällst mir auch. Ich glaube ich habe mich in der kurzen Zeit in der wir uns kennen bis über beide Ohren in dich verliebt. Zuerst dachte ich es wäre nur Freundschaft, doch mit der Zeit wurde mir klar, dass es nichts anderes als Liebe sein kann.“ Glücklich schmiegten sich die beiden Turteltäubchen eng aneinander. Sie bedeckten sich gegenseitig mit heißen Küssen und streichelten mit sanften Händen ihre stählernen Muskelbodies. Wie ein Fieber sprang der Liebesvirus von einem auf den anderen Soldaten über. Schon bald schwappte diese Woge der Gefühle über ganz Stalingrad hinweg und riss jeden Soldaten mit sich. Die Schützen stiegen aus ihren Gräben und fassten sich an den vor Aufregung zitternden Händen. Doch selbst die grimmige Kälte konnte der neu aufblühenden Liebe keine Grenzen setzen. Rasch wurden Grills angeheizt und schon nach kürzester Zeit roch es in ganz Stalingrad nach würzigen Spareribs und saftigen Steaks. Picknickdecken wurden ausgebreitet und fröhliche Tanzmusik angestimmt. Alle Soldaten reichten sich die Hände und völlig frei von feindseligen Gedanken tanzten sie bis früh in den Morgen hinein Sirtaki, den Tanz der Freundschaft. Es wurde viel geflachst, gelacht und gescherzt, und für zumindest diese eine Nacht schien es so, als wäre Stalingrad der hellste und strahlendste Himmelskörper am Phirmament des Todes...
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ozsf | 19.02.2003 12:03Antworten
da juckt der finger am abzug der liebesmuskete.


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