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IM FARBENMEER (2)
15.06.2003 00:19
OTTAGRINGO
 Ottagringo

IM FARBENMEER (2)

......sie wissen nichts, kein wirklicher Kampf hat jäh ihr Herz erschüttert. Lassen sie alle Versuche, denn die Erklärbarkeit ist tot, solange tot, dass man heute mit Sicherheit annimmt, sie habe nie existiert. Ich bin kein Maler, ich habe nichts für euch zu geben, keine Bilder, keine Reizbarkeiten, für diese reizlose, fantasiefürchtende Menschheit. Und doch male ich, sagte der Maler leise. Ich male für die Unvernünftigkeit des Mondschattens, der in der Kühle seiner Nächte das satte, grüne, schwarze Gras grüßt. Ich male für den Käfer, der sich nichts mehr wünscht, als heute der Mensch zu sein, der ihn morgen zertritt. Ich male für die Unschuld aller enthaupteten Hexer, für die Schwesternschaft der Macht und für den ersten Regentropfen, der von der Erde in den Himmel fallen wird! Eure Kinder sind Menschen, die meinigen sind schon in jungen Tagen verlorenes Ungeziefer im Pelze der Finsternis! Sie wissen nichts, sie werden nichts von dem Geschriebenen verstehen, sagte der Maler und er schloss die Augen und er sieht diese wunderschöne Wiese mit zwei alten Nussbäumen und er muss lächeln und er denkt an die Unmalbarkeit des Ganzen. Dort sieht er sie hinter einem Baum stehen, dieses Mädchen, dass zu ihm herüberschaut und er streckt seine Hand nach ihr und sie tritt an seine Seite. Ich kenne sie nicht, denkt er und doch ist mir dieses Wesen nicht fremd, das ist sonderbar. Sie deutet mir zu kommen, ich verstehe sie nicht, ich verstehe nichts mehr, denkt der Maler, doch scheint Verstehen hier nicht wichtig zu sein. Er erhebt sich müde und sie nimmt ihn an der Hand. Sie spricht leise und wehmütig, beide schleichen den Weg entlang. Mein Hirn ist heiß, denkt der alte Mann, es schickt sonderbare Wärme in die entlegensten Glieder, ich werde gehen, solange gehen, wie mir möglich ist, solange, um dem Dasein zu entgehen. Zum erstenmal denkt er an die Malbarkeit des Ganzen!
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