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Karl Gschrinz´ Reise nach Tukastan (und wie diese unvorhergesehen in der Bongolei endete)
12.04.2004 15:05
WOLFGANG OBERMAYR
Wolfgang Obermayr

Karl Gschrinz´ Reise nach Tukastan (und wie diese unvorhergesehen in der Bongolei endete)

eine nachdenkliche Geschichte
Karl Gschrinz, ehemaliger Fußballkapitän des FC Heidelbärkirchen, Mitglied der Feuerwehr Heidelbärkirchen ehrenhalber, war sehr entsetzt. Zwei Tage nach Verlassen der letzten bongolischen Tankstelle bis Tukastan war sein Auto verreckt. Da Tukastan von der Bongolei durch Kargistan und den großen Tümpeldeich-See getrennt war, konnte man sich vorstellen, wie sehr Karl Gschrinz über seine Lage entsetzt war - nämlich sehr.
Nachdem Karl Gschrinz einen kurzen Augenblick nachgedacht hatte, kam er zu dem Schluß, daß er sich bisher noch nie in einer so mißlichen Lage befunden hatte. Aufgrund dieses fatalen Fehlens an Erfahrung war Karl Gschrinz nun natürlich absolut nicht in der Lage, jene zu entwirren.
Mit der allerhöchsten Wahrscheinlichkeit wäre der gute Gschrinz jetzt dem Tode geweiht gewesen, denn in der bongolischen Steppenheide herrschte eine Heidenhitze. Zum Glück war er zufälligerweise im Besitz einer Pfadfinder-ehrenhalber Mitglieds-Plakette, mit zugehörigem Pfadfinder-ehrenhalber Überlebens-Set. Aus jenem beförderte er nun eine gallertartige Masse zutage, mit welcher er sich selbst bis zum Halse bedeckte. Durch diese Vorsichtsmaßnahme würde er seinen Körper fürs Erste vor der völligen Austrocknung bewahren, soviel war sicher. Ergänzenderweise bedeckte er sein Haupt zusätzlich mit einem riesigen Steppenheidenblatt, die in jener Gegend zuhauf aus den Bäumen wucherten.
Nun war es an der Zeit, nach etwas Eßbarem zu suchen. Mit akribischer Genauigkeit begann Gschrinz jede Pflanze und jedes Tier im näheren Umkreis umzudrehen, um darunter etwas Eßbares zu suchen. Bald fand er einen beerigen Busch, dessen offensichtliche Beerigkeit Karl Gschrinz das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ. Genüßlich schlachtete er den Busch und erfreute sich an dem beerigen, vollmundigen Aroma, ohne sich davon stören zu lassen, daß der Abgang leicht holzig war.

Unterdessen, während Gschrinz seinen Beerenhunger stillte, waren im Lande einige Dinge vonstatten gegangen, deren Wichtigkeit und Bedeutung von Gschrinz natürlich nicht erfaßt werden konnte, war er doch ganz und völlig in sein Mahl vertieft.
Es begab sich nämlich zu der Zeit, daß der bongolische Verteidigungsabwehrminister (der zugleich auch den Posten des Angriffsatombombenministers bekleidete, aber das nur am Rande) einen Beschluß verfaßte, der besagte, daß alle erstgeborenen Bongolen zum Wohle des Volksheeres einberufen werden müßten, um sich gegen Übergriffe der feindlichen kargistanischen Befreiungsfront zu rüsten. Dies löste eskalierende Unruhen im Volke aus, Proteste und Revolten im ganzen Land waren die Folge. Mitglieder der Hanf-Friedensbewegung Green Peace blockierten stundenlang das bongolische Parlament, bis sie endlich nach Hause gingen, selbst das blutige Straßenschlachten von jungen Stieren wurde kurz eingestellt, um gegen die Ungerechtigkeit des Beschlusses Stellung zu beziehen.
Schließlich blieb dem Verteidigungsabwehrminister nichts anderes übrig, als seinen fest gefaßten Beschluß etwas abzuändern.
Als auch der neue Beschluß, jeden zweitgeborenen Bongolen einzuziehen, vielstimmig abgelehnt wurde, bekam der Minister einen Schreikrampf und verzog sich auf seinen Ruhesitz nach Ibzia, um zu schmollen und die Lage neu zu überdenken.
Die kargistanische Befreiungsfront war währenddessen gar nicht an der bongolischen Besetzung interessiert, sondern arbeitete zusammen mit dem Arbeiterbund Armentiniens an der Fertigstellung ihres weltweit für Aufsehen erregenden Projektes, den großen Tümpeldeich-See zwischen Kargistan und Tukastan zu untertunneln. Dies geschah zu dem Zwecke, die dort lebenden Tümpeldeich-Otter vor der Gefahr herumdüsender Schiffe zu bewahren. Außerdem war es auch das Ziel der Kargistaner, durch diesen Tunnel endlich ungesehen ins tukastanische Hoheitsgebiet zu gelangen, um mit Hilfe des Arbeiterbundes Armentiniens und einem Heer von dankbaren Tümpeldeich-Ottern den tukastanischen Regierungsapparat zu stürzen, aber das nur nebenbei erwähnt.

Von all dem bekam Karl Gschrinz wie gesagt wenig bis eigentlich gar nichts mit, hatte er doch alle Hände voll zu tun, um zu überleben. Mittlerweile hatte er sich mit Hilfe seines Pfadfinder-ehrenhalber Überlebensratgebers eine Art Dschungelgefährt zusammengeschustert, wohl wissend, daß das fertige Gefährt kaum dem Vergleich mit einem fabrikgefertigen Fahrzeug standgehalten hätte, sondern zusammengebrochen wäre. Zum Glück war kein fabrikgefertigtes Fahrzeug in der Nähe, wodurch Gschrinz ungestört den V8-Zylinderdieselmotor anwerfen konnte und seinen Weg nach Tukastan unbeirrt wieder aufnahm, ohne natürlich zu wissen, daß auch die Heere der wilden Kargistaner, der kriegerischen Armentinier und der dankbaren Tümpelotter auf dem Weg dorthin waren.
Kurz vor der Ausfahrt nach Tukastan merkte Gschrinz dann doch, daß besagte Heere auf dem Wege dorthin waren, denn er sah sie alsbald vor der Grenze Tukastans stehen, die Gesichter grimmig verzerrt, bis an die Zähne bewaffnet mit der vielerorts gefürchteten Nationalwaffe, der beidseitig geschälten Krummschwertbanane. Wie der Zufall so will, war Karl Gschrinz seines Zeichens oberster Uno-Friedensabgeordneter und Träger des Nobel-Preises für außerordentliche Friedfertigkeit und versuchte sofort, die Lage zu entspannen.
Obwohl er die kriegerischen Armentinier beinahe sofort durch entspannende Massagen beruhigte, blieben die Kargistaner weiterhin wild und angriffswütig. Die Tümpelotter hatten indes ihre Dankbarkeit auf dem Weg nach Tukastan verloren und somit auch keinen Grund mehr, die Kargistaner weiter zu unterstützen, weswegen sie sich schließlich vom Acker machten.
Die Männer der tukastanischen Nationalgarde hatten mittlerweile am anderen Ende des Ackers Stellung bezogen und gebärdeten sich ihrerseits äußerst drohlich, indem sie ihre berüchtigte Nationalwaffe, den dreischeidig geräucherten Schwertsteckfisch, schwangen und wirbelten. Nun war es endgültig zu spät für friedfertige Friedensbezeugungen, daß wurde Karl Gschrinz mit der Schnelligkeit einer mit Amphetaminen voll gepumpten Weinbergschnecke bewußt. So war es auch nicht verwunderlich, daß er in Windeseile, selbstverständlich unter Zuhilfenahme seines Pfadfinder-Kriegsratgebers, einen todbringenden, atomhältigen Neutronensprenkopf fertigstellte, der mit negativen Elektronen angereichert war, kurzum eine äußerst furchteinflößende Bombe. Mit der Kaltblütigkeit einer mit sehr viel Kühlmittel gestreckten Flasche Wein stellte er sich mitten ins Kreuzfeuer der beiden Heere.
Ungläubiges Schweigen kehrte ein und Karl Gschrinz war urplötzlich Gegenstand beiderheerischen Interesses, als jener die bombige Überraschung hochhielt und den werten Heeren in wenigen Gesten nahelegte, die Waffen fallen zu lassen und Frieden zu schließen.
Da beide Heere trotz ihres Nationalstolzes im Gegensatz zu vielen anderen Heeren glücklicherweise auch über eine ausreichende, wenn auch begrenzte Menge kollektiven Verstandes verfügten, einigten sie sich nach einigen wenigen Augenblicken auf ein Unentschieden und eine Revanche im nächsten Jahr.
Karl Gschrinz sah sich damit zufrieden und gab die Bombe den kargistanischen Oberhäuptern zur sicheren Verwahrung, bevor er nach Heidelbärkirchen zurückfuhr, um seinen nächsten Nobel-Preis für die äußerst friedfertige Entspannung eines Krieges durch beinahes Einsetzen einer Bombe entgegenzunehmen.
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david | 14.04.2004 11:43Antworten
Absurd- im positivstem Sinne!


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