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Der Zweck Erfordert Mittel
03.11.2005 17:23
WOLFGANG OBERMAYR
Wolfgang Obermayr

Der Zweck Erfordert Mittel

7 Punkte zum Österreichischen Bundesheer

 

1

tschgtschgBUMMtschgtschgBUMMtschgtschgBUMM

nicht vergessen, vor dem reinigen das magazin abnehmen, immer erst das magazin abnehmen, auch wenn wir keine echte munition haben in der grundausbildung, wir haben übungspatronen – eine patrone bleibt im lauf auch wenn das magazin weg ist, sie springt raus wenn ihr den Hebel zurückzieht, passt auf dass ihr sie im gras nicht verliert

einfach den stift raus und schnell über die mauer damit und duckBUeMMnMM das gefährliche an einer granate ist der mantel, der zerspringt in tausend splitter die sich ellipsenförmig ausbreiten, am besten mit den füßen zur granate in deckung gehen, immer den kopf schützen und wenn du wirklich ein HELD sein willst, ich mein wirklich ein HELD, ein wirklich wirklich wirklicher HELD, dann haust du dich auf die feindliche granate, ein KÖRPER ist das beste schutzschild, geht ganz schnell, keine angst, ganz schnell ganz schnell ganz schnell

 

2

heute GELÄNDEMARSCH 12,5 km das ist NICHTS, sicher 12,5 km ist nur der hinweg, rückweg exklusive HAHA aber das ist NICHTS, sicher 50 kg dazu, marschgepäck, sicher aber schön heute, sehr schön sehr heiss was? befreiung? was? HAHA! wo? ah rosa schein? rosa schein achso naja dann eben nur 10 km dh versager, v-e-r-s-a-g-e-r, vorprogrammierter versager, knautschzone am schlachtfeld, bauer, spielfigur, spielzeug, dreh dich, wind dich

 

3

ja gut, krieg philosophisch gesehen was ist krieg und überhaupt, es ist NOTWENDIG sich zu verteidigen, wer es GERN macht ist pervers, zugegeben, aber wer dabei immer leichte schuldgefühle hat, so wie ich, sieh mich an, der braucht sich im grunde nichts vorzuwerfen oder?

 

4

bei der wache les ich NIETZSCHE ja und irgendwann studier ich JUS ja und überhaupt ich bin nicht der typische soldat dh der typische soldat ist sowieso überholt, es kommt der ideologisch-moralisch kompetente NEUE soldat, gebildet und gestählt, ohne humor denn witze reissen über so ein ernstes thema, nein, ich sehe mich mehr als handwerker oder nein, als ARZT ich übe heikle operationen aus, aber ich bin qualifiziert, ich kann mein gewehr auseinander nehmen in 8 sek., 8 SEK. und keine weniger, wenn ich dem feind gegenüberstehe nützt mir das wenig? WENIG? nun aber das ist das risiko, ein arzt macht auch kunstfehler, zeig mir überhaupt mal den unterschied zwischen uns, zeig mir mal den unterschied

 

5

ich will hier die gelegenheit nutzen und mal mit einem VORURTEIL aufräumen, als wären beim heer nur rüpel und BAUERN furzen und saufen und rülpsen und sonst nichts, keine MANIEREN von wegen, schau wie sie stramm stehen, sie sehen auf die sekunde genau in die richtige richung, sie sind MUSIKALISCH begabt, sie marschieren in jedem takt, dreiviertel, vierviertel, fünfsiebtel alles! und überhaupt! von wegen! sieh sie dir an, die normalen! die BÜRGER! sind die anders? die provinzler, die städter, die alle die! beim heer sind wir wenigstens EHRLICH!

 

6

jetzt wird’s ernst – das ist keine übung, fertigmachen in 10 minuten kaz2! dh KAMPFANZUG SCHWER! mit gummizuz weil wir erwarten nuklearen niederschlag und agent orange und die aufklärer sind schon draussen hoffentlich habt ihr eure GASMASKEN dabei denn wer jetzt keine gasmaske hat ist im ARSCH wir habens euch ja gesagt in der grundausbildung wie oft haben wir euchs gesagt? C-ALARM C-ALARM C-ALARM! 7 sek. 7 SEK. zeit zum aufsetzen wie oft haben wirs geübt und jetzt habt ihr eure gasmasken vergessen na dann prost mahlzeit ist ja nur eine übung aber der ernstfall kommt noch, der KOMMT noch

 

7

was? was? bevor du in den krieg gehst bringst du dich vorher selbst um? was? und wie willst du das machen, wie willst du das machen? hast ja nur ein feldmesser und das ist STUMPF ja glaubst du wir geben euch ein scharfes messer euch potentiellen suizidlern? und patronen hast du ja keine nur übungspatronen sonst nichts, nein du wirst schön ausrücken und unter dem stacheldraht durch gleiten so wie die anderen GLEITEN wirst du und wenn wir verrecken dann wirst du den anstand haben und mit uns mit verrecken und zwar auf die gleiche erbärmliche art und weise KAMERADENSCHWEIN!

 

An_den_Abendstern.mp3 [öffnen]
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Wolfgang Obermayr | 03.11.2005 17:43Antworten
Lied und Text stammen aus meiner Zeit beim Heer, der Text ist so eine Art Conclusio aus verschiedenen Gesprächen mit Soldaten und Erfahrungen (vor allem in der Grundausbildung).
Und wer genau hinhört kann beim Lied das Klimpern meiner Erkennungsmarke ausmachen hihi.
david | 06.11.2005 09:04Antworten
Die Art wie der Text geschrieben ist finde ich sehr interessant und hat mir gut gefallen.
Selber war ich nie beim Heer, kürzlich traf ich im Zug einen deutschen Berufssoldat, unterhielt mich mit ihm und es war ein sehr gemäßigter, umsichtiger Mann, der die Dinge von verschiedenen Perspektiven aus nüchtern betrachtete und wir waren uns ziemlich oft einig. Ich fragte mich lange wo wohl das Extreme in ihm steckt, denn die Entscheidung Soldat zu werden ist eine extreme Entscheidung. Aber ich kam nicht drauf. Trotzdem glaube ich nicht an den NEUEN Soldaten. Wer sich zum "töten und getötet werden" für Geld entscheidet, bei dem stimmt was nicht und dem sollte geholfen werden.

Zum Lied: Mir gefällt Deine Stimme und das Lied hat mich im positiven Sinne an "Selig" erinnert.
 Wolfgang Obermayr | 07.11.2005 10:26Antworten
Grob eingeteilt hab ich folgende Typen beim Heer getroffen:
1. Der Idealist - er glaubt an die Notwendigkeit des Heers mit beinahe religiösem Eifer, er sieht sich als Patriot der seine Pflicht erfüllt.
2. Der Clevere - er weiss genau wie man eine ruhige Kugel schiebt und trotzdem ordentlich abcasht, ausserdem weiss er dass man beim Heer allerlei Ausbildungen gesponsort kriegt.
3. Der Gestörte - er hat einen Ort gefunden, seine Machtkomplexe und sadistischen Neigungen auszuleben.

Und dann gibts noch die die irgendwie reingerutscht sind und jetzt versuchen das beste draus zu machen.

Alles in allem kann man denke ich behaupten, dass das Heer eine Kultivierung der Sinnlosigkeit darstellt wie sie ihresgleichen sucht. Das einzige was dem Heer eine Daseinsberechtigung gibt, ist der reine Symbolcharakter den es erfüllt. Genau wie der Glaube ans ewige Himmelreich wollen die einfachen Leute auch glauben dass wir im Fall eines Krieges oder einer Belagerung durch wilde Türken etc. eine gestählte Armee im Rücken haben, die die Angreifer gnadenlos zurückschlägt. Entschuldigung ich muss aufhören, lachen und schreiben geht so schwer.
  Wolfgang Obermayr | 07.11.2005 10:29Antworten
Ach ja und dass du "Selig" kennst und schätzt ist meines Erachtens ein Beweis für deinen guten musikalischen Geschmack :)

Persönlich bin ich froh über jeden gehaltenen Ton, der mich nicht ausbricht und brandschatzend durchs Lied zieht, aber es geht mir weniger um Perfektionismus als um Unmittelbarkeit, immer schon und eigentlich in allem was ich so treibe.
Olaf zu Steg-Flaggenhalt | 12.11.2005 01:07Antworten
selbst nie beim heer mag ich solche texte weil sie einem schöne einblicke in die bedrohliche fremde welt verschaffen. vermutlich auch der grund für mein gefallen am letzten sven-regener-roman. danke dafür:
Constantin Göttfert | 01.12.2005 11:06Antworten
bravooo!


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