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Lektion 7: Pekingente
15.01.2006 19:46
OLAF ZU STEG-FLAGGENHALT
Olaf zu Steg-Flaggenhalt

Lektion 7: Pekingente

Schergen des Bösen und Großmütter
Ich blickte mich um. Die Dämmerungwar hereingebrochen und ich fühlte mich einsamer denn je. Ich erblickteeinen großen Backstein der wohl schon Jahre unter dieser Brücke liegenmusste, und bemühte mich möglichst lautlos zu ihm hinzurobben. Ichergriff ihn, streichelte über seine bemoosten Stellen und flüsterteleise und etwas schüchtern auf sein fortgeschrittenes Alter anspielend:"Darf ich Madame Großmutter zu dir sagen?" Ich drückte ihn ganz fest anmich und viel in einen tiefen aber traumlosen Schlummer. Es warbestimmt bereits Mitternacht als ich meine verträumten Äuglein öffnete.Ich wischte mir den Schlaf aus den Lidern und wagte es endlich unterder Brücke hervorzukriechen. Glücklicherweise hatte ich im Klub derHobbydetektive gelernt mich lautlos anzuschleichen, eine Fertigkeit,die ich in dieser Situation nur begrüßen konnte. Ich beobachtete dasimmer noch geschäftige Treiben der Feldbewohner, welche mittlerweilemit geschickten Handgriffen den Pavillon in einen Galgen umgebauthatten und ihn unentwegt mit Schaufensterpuppen auf seine reibungsloseFunktion hin überprüften, wobei sie johlten und sich gegenseitig mitedel gearbeiteten Sektflöten zuprosteten. Ihre dämonischen Fratzenwurden von einem flammenden Scheiterhaufen erhellt, auf dem ketzerischeBücher wie "Ein Fall für Tom Turbo" und "Die drei Fragezeichen"loderten. Ich wünschte ihnen den am nächsten Tag folgenden Kater vonganzem Herzen und entschied, schnell in die Stadt zu laufen um alleAspirinvorräte in der näheren Umgebung noch vor dem ersten Erwachenaufzukaufen. "Dies sollte meine fiese Rache sein", dachte ich bei mirund lachte heiser. Ein Fauxpas, wie sich herausstellen sollte. Ichhörte ein Knacken im Unterholz und wirbelte herum, wobei meinekatzenartigen Augen auf das wilde Dickicht fixiert waren. Ein Späherder Feldbewohner hatte mich entdeckt. Doch bevor er sich versah standich schon vor ihm und baute mich in meiner ganzen stattlichen Größe vorihm auf. Ich riss eine Haselnußgärte ab, wobei ich penibel daraufachtetet dem Haselnussstrauch keinen dauerhaften Schaden zuzufügen. Miteinem gekonnten Beinfeger schickte ich den Späher auf den Boden undsetzte mich auf seinen vor Angst zitternden Brustkorb. "Nimm das,Scherge des Bösen", sagte ich flüsternd, um nicht noch mehr Späher aufmich zu lenken und schlug ihm mit der Gärte auf den Mund. Immer undimmer wieder pfiff die Gärte durch die Luft um ihre wilde Fahrt auf derSchnute dieses Bösewichts mit einem Klatschen zu beenden. Als ich mitihm fertig war, hatte er schon längst das Bewusstsein verloren. Ichbrachte ihn in die stabile Seitenlage und klebte ihm ein schönesDino-Pflaster auf seine wunden Lippen, nachdem ich sie zuvor mit einerguten Salbe versorgt hatte. Danach suchte mein Glück in der Ferne,indem ich immer weiter in den düstern Wald vordrang. Mein Hungergefühlwar wieder stärker geworden und ich erkannte dass mein sehnlichsterWunsch nun eine Pekingente war, als ich auf eine Futterkrippe stieß."Auch gut", dachte ich bei mir und labte mich an dem Futter derWaldtiere. Als ich satt war legte ich ihnen zum Dank ein paar nagelneueKupfermünzen an den Trog, da ich mir von keinem nachsagen lassen wollteein gemeiner Dieb zu sein. Mit Hilfe der Gestirne machte ich michfrisch gestärkt nun daran, meine Position ausfindig zu machen. Ichhatte Glück! Die Stadt war nur zwei Gehminuten entfernt. Ich verfluchtemich dafür, dass ich nicht schon früher auf die Idee gekommen war,meinen Standort herauszufinden. Dann wäre mir auch das wenig delikateMahl an der Futterstelle erspart geblieben. Ich tat kaum zehn Schrittenach vor als ich auch schon auf einer belebten Straße stand, welchemitten in das Stadtzentrum hineinführte.
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