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Galvani und seine Opfer
24.03.2006 16:50
G. HUNRUS
G. Hunrus

Galvani und seine Opfer

Bei einem Kurzbesuch in Frankreich stellten sich nicht von der Hand zu weisende Verbindungen zwischen toten Fröschen und Studierenden in meinen Blick. Wissenschaft und Bauernopfer.
Der Winter ist vorbei, die Liebe auch und das Leben ist da. Etwas leer steht es im Raum, ihm fröstelt noch leicht. Denn so richtig warm will dem Otterngezücht nicht werden. Auf einem Stein sitzend, schaut es nach Frankreich und überlegt, ob eine dort ansässige Umweltschutzorganisation bereits Krücken für halb verzehrte Frösche am Reißbrett entworfen hat. Eine unablässige Suche nach Notwendigkeiten das Leben zu erhalten. Gerade das von beinamputierten Fröschen. Einfach einschlafen ist keine Lösung. Frösche gefrieren dann. Beim Auftauen finden sie sich in endlosen Regalen Pariser Billigdiskountern wieder und werden von marokkanischen Froschfachverkäuferinnen dem Pöbel lauthals angepriesen. Ein wertvolles Gut, reich an Nährstoffen und von exquisitem Geschmack.
 
Die Sinnsuche gestaltet sich als unüberschaubar, zu viele Möglichkeiten hat der gemeine Frosch, um sein Dasein zu gestalten. Jung und frisch verzehrt bereite er Gaumenfreuden höchster Güte, alt und ledrig zählt er für Gourmets nichts mehr. Der Marktwert wird durch das Gefressenwerden gesteigert, das lange Leben gilt hier als Nachteil. Für so manchen Frosch scheint es deshalb angebracht zu sein, sich als Beute zu gefallen, einen Sinn zu finden und nicht in der langweiligen Nahrungskette von anderen niederen Tieren gefressen zu werden. Einem interessanten, leicht verqueren Landadeligen in einem Chateau mitten in der Bretagne mit Hingabe zur Hauptspeise zu gefallen, beinhaltet sicherlich mehr Ehre als durch den Schnabel eines langbeinigen Storches oder gar einer niederen Natter der noch niedrigen Bestimmung des Hungerstillens zugeführt zu werden.

Schöner ist nur das Schicksal der wenigen Frösche die es in der Wissenschaft – zwar namenlos -  aber doch zu Ruhm und Ehre erbracht haben. Wie auch immer der verrückte Italiener geheißen haben mag, ist irrelevant. Es war Luigis Gs. Liebe zum Schenkel, die ihn aus Zufall zur Entdeckung einer chemischen Reaktion verleitete. Ob zur Ehrerbietung der Frösche – sicherlich stolz auf ihre Leistungen auf dem Forschungsfeld der Elektrizität – einen kleinen Altar in seiner Kemenate in Bologna errichtet bekamen ist leider nicht überliefert. Es kann aber zu hundertdreiundsiebzig Prozent als wahr angenommen werden. Fakten wie diese sind unumstößlich und geben anderen Fröschen einen gleißenden neonfarbenen (vorzugsweise roten) Leitfaden, ein helles Leuchtfeuer, wie ein erfülltes Leben aussehen kann und soll. Auf kleinen Transparenten über den Tümpeln Frankreichs werden Schriftzüge entrollt, die von der Großartigkeit der Selbstaufgabe berichten.

Es tut gut geschluckt zu werden.

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David Sansraison | 25.03.2006 08:52Antworten
Aristophanes in Paris.
Scharfe Zungen lassen sich nicht schlucken.


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