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Lektion 10: Löwenkopf und Blüten
15.07.2006 12:11
PAUL HALMENSCHLAG
Paul Halmenschlag

Lektion 10: Löwenkopf und Blüten

Das Pflanzliche und das Kriminelle

Ich war total aufgekratzt von dem vielen Cappuccino. Vergnügt hopste ich durch die Straßen und sang fröhliche Lieder aus meiner Zeit bei den Wanderfreunden. An ein nach Hause gehen und ausschlafen war in meinem wachen Zustand nicht mehr zu denken, also beschloss ich, meinem guten Freund Dr. Salat einen Besuch abzustatten. Und ich wusste auch genau wo ich ihn finden würde. Dr. Salat, schon seit Jahren Obmann der anarchistischen Partei, war bestimmt wieder im Hauptquartier um sich mit seinen Mitarbeitern über eine neue Kampagne zu beraten. Etwas später stand ich auch schon davor, hingetragen von einem komplett XT-bestückten Mountainbike der Marke Kettler Sport. Es handelte sich um einen alten Prunkbau im Barock-Stil, auf dem groß: „Nulla Salus Sine Anarchismus“ stand. Ich zog den goldenen Löwenkopf sanft aus seiner Verankerung, worauf ein wohlklingend melodisches Läuten angelehnt an Frank Sinatras My way aus dem Inneren des Palastes zu hören war und just die großen Eichentüren aufschwangen. Ich lief auf dem roten Läufer vorbei an kostbaren Vasen und wertvollen Gemälden und fragte mich dabei wie sich Dr. Salat das alles leisten könne und warum er überhaupt Dr. Salat hieß. Schließlich verabscheute er alles Pflanzliche und seine Vorliebe für Geselchtes war stadtbekannt. Ich fuhr mit dem Aufzug ein paar Stockwerke höher wobei ich mich an der Fahrstuhlmusik von den Sex Pistols erfreute. In Dr. Salats Büro war niemand zu sehen, aber aus dem Abstellraum roch es nach Geselchtem, in dem ich auch meinen Freund vermutete. Und tatsächlich. Da stand er, mit einer Serviette umgebunden und tat sich an Bergen von Fleisch gütlich. „Kommen sie herein, guter Freund“ gluckste er während er sich an seinen Speisen gütlich tat. Wir begrüßten uns auf unsere spezielle Art indem wir uns gegenseitig an den Füßen fassten und uns durch reißen dazu bringen wollten auf den Boden zu fallen. Als ich ihn zu Boden gebracht hatte lachten wir herzlich und Dr. Salat bot mir eine leckere Mettwurst an welche ich auch dankend annahm. Genüsslich nagte ich an der Wurst, als mir plötzlich ein großer Sack Kartoffeln auffiel, der an der Wand lehnte. „Sehr merkwürdig“, dachte ich mir, da Gemüse ja schließlich überhaupt nicht zu ihm passte. Er bemerkte die skeptischen Blicke die ich ihm zuwarf. „Mein Freund“, sagte er, „ich weihe Sie nun in das Geheimnis meines Reichtums ein“. Er nahm ein Messer und schnitt damit eine besonders große Kartoffel auseinander. Kunstvoll bearbeitete er ein Hälfte der Kartoffel während ihm dabei ein Schnitzel aus dem Mund ragte auf dem er wie auf einem Kaugummi herumkaute. „Fertig“. Sagt er schließlich, zog einen Bogen Papier heraus, tauchte die Kartoffelhälfte in Tinte und presste sie auf den Papierbogen. „Tata!“ schrie er euphorisch und hielt mir das Papier unter die Nase. Sieh da. Eine 1a-Blüte! Mein guter Freund Dr. Salat war also ein Geldfälscher. Angetan aufgrund der letzten Ereignisse von soviel Verschlagenheit beschloss ich ihm zu helfen und wir schnitten bis tief in die Nacht hinein Kartoffeln und druckten herrliche Blüten in denen wir uns von Zeit zu Zeit wälzten und schon überall ganz blau von all der Tinte waren. Nun war es Zeit die Blüten an den Mann zu bringen. „Also los“, sagte Dr. Salat, und ich wusste dass aus dem lustigen Spiel nun Ernst werden würde.

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David Sansraison | 15.07.2006 18:45Antworten
Ungewohnt kurz aber außergewöhnlich lustig.
Ich will mehr von Dr. Salat und seinen Anarchisten hören.


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