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thoughts about friends
28.08.2006 15:22
CLAUDIA SCHMIED
Claudia Schmied

thoughts about friends

Mein erster hier veröffentlichter Text. Keinesfalls Visitenkarte; aber doch sehr persönlich.

Erst wenn man Freunde gehabt hat, weiß man, wenn man sie verloren hat.

Dann wird einem schmerzlich bewusst, dass es einmal besser war, und nun, da man keine mehr hat, ist es unerträglich.

Menschen, soziale Kontakte, sind dazu bestimmt, zugrunde zu gehen, traurig zu stimmen, zu Ende zu gehen.

Es ist eine grausame Sucht, nach Kommunikation, Gesellschaft, Freundschaft, Liebe.

Denn nichts anderes ist es als eine Sucht. Einmal damit infiziert, kommt man nur schwer davon los.

Die Menschen sind schon ab ihrer Geburt abhängig. Von Nahrung und allem Körperlichen, genauso, oder noch viel mehr auch von sozialen Kontakten.

Ein Baby stirbt, wenn es keine Zuwendung bekommt.

Wir sind körperlich und psychisch abhängig von sozialen Interaktionen. Von Kommuníkation.

Doch was tut man dagegen?

Ich weiß es nicht.

Und nun bin ich in der misslichen Lage, genau zu wissen, wo das Problem, der Ursprung aller Traurigkeit, aller Krankheiten liegt, und doch hilflos.

Und um das Gefühl der Hilflosigkeit reicher, beschwerter.

Man kann nichts gegen diese Sucht tun, außer daran glauben. An das Gute darin glauben und einfach so tun, als wäre es wahr.

Die grausame und unbegreifliche Klarheit des Begreifens, universellen Verstehens ist selten erreicht und auch gar nicht dazu bestimmt.

Es ist unnötig, es zu wissen, denn man kann dieses Wissen nicht verwerten.

Um auf dieser Welt zu existieren, zu überleben, ist es unbedingt notwendig zu glauben.

An das Gute zu glauben und einfach nur für sich selbst zu kämpfen. Und zu kämpfen ist auch lebensnotwendig.

Das Erkennen lähmt, denn man denkt und denkt und kommt auf keinen grünen Zweig an dem man sich festklammern könnte.

Auf den man sich hinsetzen, festbinden, aufstehen kann und sein Leben von dort aus leben.

Der grüne Zweig, im Nebel der Erkenntnis, am Baum des Lebens, stellt eine der tausenden Philosophien dar, nach denen man sein Leben leben muss, um überhaupt zu leben.

Allein aus diesem Grund ist sogar derjenige, der sich blind an einen zwar grünen aber giftigen Zweig klammert, demjenigen überlegen, der mit offener Seele im Nebel treibt und verzweifelt, händeringend versucht, einen Zweig zu fassen zu kriegen.

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David Sansraison | 28.08.2006 19:34Antworten
Ich möchte hier mehr den Inhalt als den Text kommentieren.

Hängen geblieben ist mein Gehirn bei der Idee, das zutiefst menschliche Verlangen nach sozialer Interaktion, als Sucht zu bezeichnen.

Daraus folgen interessante Fragen, zum Beispiel ob eine Heilung, ein Entzug, möglich ist, wenn irgendein Zwischen- Unter- oder Überbewusstsein den zwischenmenschlichen Kontakt zwar verlangt, der freie Wille diesen aber nicht will. Wenn ich mich nicht täusche, ist dies bestimmt ein guter Weg in die psychische Krankheit. Je nach dem wie man es für sich selbst definiert, muss das ja nichts schlechtes sein.
Ich bin überzeugt, dass eine (meiner Meinung nach wachsende) Anzahl von Menschen irgendwann die Entscheidung getroffen hat, dass es ihnen ohne sozialen Kontakt mit den zur Verfügung stehenden Menschen weniger schlecht geht, als mit diesem.
Es handelt sich bei dieser Frage also, wie so oft, um die Entscheidung zwischen gerührter oder gequirrlter Kacke (je nach Standpunkt auch zwischen gerührtem oder gequirrltem Vanillepudding).

Wie im obigen Text fortgeführt, kommt man so in den Bereich des Glaubens, oder zumindest in die Situation, sich für etwas entscheiden zu müssen.

An dieser Stelle möchte ich die Methode des selbstverliebten Rosinen pickens propagieren.
Um auf das Bild des grünen Zweigs zu kommen:

Man hüpfe von Zweig zu Zweig, nehme sich einmal ein Blättchen und stecke es sich ins Haar, das andere mal, lasse man ein Blättchen zurück. Bis man eines Abends, beim Blick in den Spiegel feststellt, selbst ein Zweig mit vielen bunten Blättchen geworden zu sein. Auf diesen kann man sich dann getrost setzen und beobachten, welche Blättchen die anderen Hüpfer mitgehen lassen.





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